Granny – lebensmüde?
Wann hat Oma das letzte Mal gelächelt?

>>> Wenn Oma lebensmüde ist <<<

Der nachfolgende Text ist ein offener Brief an meine Kinder und ihre Angetrauten. Auslöser war der obige Artikel in der ZEIT (klick auf den Link!), den ich kommentieren und mit persönlichen Ergänzungen versehen möchte. (Also bitte zuerst lesen!) Da ihr den „Deutschen und seine Kanadierin“ inzwischen kennt, ahnt ihr wahrscheinlich schon, dass der Humor nicht zu kurz kommen wird. *schmunzel*
 
 
 

Liebe Kinder,

wie ihr seht, wendet sich die ZEIT-Redakteurin direkt an euch! Und das ist auch gut so! Lasst euch ruhig von Mara Veigel zum Nachdenken bringen. Im Allgemeinen schadet es nicht, wenn ihr euch angesprochen fühlt. Im Speziellen liegt für eure Eltern der Fehler schon in der Überschrift. Wieso? Na, es muss natürlich Opa heißen! Wenn, dann ist euer Vater/Schwiegervater gefährdet. Aber dazu später.

Oma ist garantiert nicht gefährdet. Warum ich mir da so sicher bin? Weil sie voll mit Opa beschäftigt ist. Da kann Langeweile nicht einmal ansatzweise aufkommen. Als ich eurer Mutter die ewige Treue schwor, habe ich mir selbst auch gleich noch etwas geschworen. Um es nicht wie eine Drohung klingen zu lassen, habe ich die Sache als Versprechen deklariert.

Ich sagte eurer Mutter, dass sie sich nie an mich wird gewöhnen können, und dass wir deshalb folglich niemals nebeneinander her leben werden, was wiederum zur Folge hat, dass sie sich mit mir nie langweilen wird. Eine simple Logik, die sich seit 45 Jahre bewährt hat.

Bis jetzt ist mein Ideenreichtum quasi unerschöpflich, so dass eher das Gegenteil von Langeweile für eure Eltern zutrifft. Wenn ich die Sache selbstkritisch hinterfrage, muss ich nämlich zugeben, dass Stress für meine Frau ein echtes Gefahrenmomentum darstellt. Ich meine den durch ihren Ehemann verursachten Stress.

Für eure Mutter ist es ein Vollzeitjob, meine Vorschläge auf Realisierbarkeit zu überprüfen. Das fordert ihren ganzen Intellekt, von dem sie zum Glück reichlich hat. Die Krux für sie liegt in den Änderungsvorschlägen, die ich im Falle einer Ablehnung nachschiebe. Diese Nachbesserungen haben meist eine derartige Variationsbreite, dass sie eurer Mutter wie eine Hydra erscheinen müssen. Oft wird sie dann wütend und sagt Sätze wie: „Dein Mund ist nicht hirngesteuert!“ Wenn sie sieht, wie solche Ausbrüche an mir abprallen, verfällt sie in Schweigen, lautem Schweigen, leisen Schweigen, tagelangem Schweigen. Wie auch immer – von Langeweile kann aber auch in diesem Falle keine Rede sein.

Hinzu kommt, dass euer Vater auch in den Umgangsformen ein Meister ist, oder um es etwas unbescheidener auszudrücken, ein Charmeur der alten Schule. Ich mache meiner Gattin ständig den Hof und gestalte ihren Alltag kurzweilig und mehr oder minder lustig. Mein Einfallsreichtum im „Komplimente machen“ hat sogar dazu geführt, dass eure Mutter ein ganzes Arsenal von Sprüchen entwickelt hat, um sich der „Liebesanfälle“ ihres Gatten zu erwehren. Ihre Statements sind dabei von derart guter Qualität, dass sie für die Buchform geeignet scheinen. Hier ein Beispiel.

Meine Frau hat einen neuen Computer bekommen.
Ein wenig neidisch stelle ich fest:
„Du hast immer das neuste Modell“
Darauf sie:“Ja – außer beim Mann“

Um Spannung aufzubauen und eure Neugier noch mehr anzustacheln, verrate ich euch auch den Titel des geplanten Buches. Er lautet

„Mord beinah – Scheidung nie“

Aber jetzt bin ich leicht abgeirrt. Noch ein paar Bemerkungen zu dem Artikel. Wie ich schon anmerkte, muss es eigentlich Opa heißen. Aber das ist kein Grund zur Besorgnis für euch. Denn solange eure Mutter lebt, ist der Artikel sowieso gegenstandslos.

Ich bin mir ganz sicher, dass eure Mutter immer sechs Jahre jünger als ich bleiben wird. Damit liegt der Leidensdruck voll bei ihr. Aber schließlich hat sie ja die Heiratsurkunde gegengezeichnet und konnte vorher zwei Jahre lang ihren „Fang“ testen. Also bitte kein Mitleid!

Sollte ich wider Erwarten doch länger auf dieser Welt verweilen als sie, ist der Artikel zwar nicht irrelevant, aber falsch. Denn Botox dürft ihr mir zum Beispiel auf keinen Fall spritzen! Mit Botox, oder Borax oder wie das Zeug heißt, den „Trauermuskel“ lahm legen, lehne ich entschieden ab! Was mach ich denn dann, wenn mir mal echt zum Heulen ist?!? Damit der Lachmuskel funktioniert, Gift spritzen! So etwas kann nur akademischen Klugsche__ern einfallen.

Was aber dann? Ganz einfach, wie ihr euren Vater kennt. Ich werde euch meine eigenen Anweisungen geben! Bombenrezepte gespickt mit Humor! Da hat der Lachmuskel was zu tun, und Langeweile wird sicher nicht aufkommen. Mir kommen schon jetzt ein paar spontane Ideen.

Raja, bei dir fällt mir ein: Alle Fenster bei euch wieder rausreißen und die Diagonale neu vermessen!

Tommy – du schenkst mir dein tolles Fahrrad mit „Sofaqualitäten“ noch einmal, montierst aber vorher Stützräder dran!

Heather, du hast den einfachsten Job. Jede Stunde ein Hug für deinen father-in-law!

Und euch, meinen lieben Kindern vom eigenen Fleisch und Blut, gebe ich kurzfristige Instruktionen, sollte der Ernstfall eintreten.
 
 

Herzlichst
Euer (echter und unechter) Vater

 

Nachtrag

Denen, die eigene Kinder haben und denen, die über 30 sind (und auch allen anderen), gebe ich jetzt zum Thema „Altwerden“ noch einen Geheimtipp, wie ihr mit diesem unvermeidlichen Vorgang umgehen könnt.

Die von mir bevorzugte Lernmethode ist „learning by doing“. In meinem Buch werden viele Beispiele zu finden sein. Wem die Wartezeit von möglicherweise bis zu dreißig (30!) Jahren zu lang ist, der greife zum Werk von Joachim Fuchsberger.

Der Mann ist mir sehr ähnlich: humorvoll und charmant, nachdenklich, aber nie weinerlich. Zugegeben – er sieht etwas besser aus als ich und hat mehr Moneten, aber nicht mehr Mut.

Der Titel des Buches lautet:

>>>Altwerden ist nichts für Feiglinge<<<

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